Wer nach pflanzlicher Unterstützung für die Atemwege sucht, denkt zuerst an Thymian, Eibisch oder Spitzwegerich. Das Lungenkraut fristet dagegen ein Schattendasein – obwohl es zu den ältesten Atemwegsheilpflanzen Europas gehört und eine bemerkenswerte Kombination wirksamer Inhaltsstoffe mitbringt. Bereits im Mittelalter wurde Pulmonaria officinalis bei Husten, Bronchitis und Erkrankungen der oberen Atemwege eingesetzt. Heute erleben Heilpflanzen in der modernen Phytotherapie eine Renaissance – und das Lungenkraut verdient dabei deutlich mehr Aufmerksamkeit als es bekommt.
Was macht das Lungenkraut so besonders? Nicht ein einzelner Wirkstoff, sondern ein komplexes Zusammenspiel verschiedener bioaktiver Verbindungen, die sich gegenseitig ergänzen. Schleimstoffe schützen die Schleimhäute mechanisch, Rosmarinsäure wirkt antioxidativ und entzündungshemmend, Allantoin fördert die Regeneration der Schleimhautzellen, und Saponine unterstützen die Verflüssigung zähen Schleims. Dieses phytochemische Profil macht Lungenkraut zu einer der vielseitigsten Atemwegspflanzen in der europäischen Heilkräutertradition.
Die Schlüsselwirkstoffe – was wirklich im Lungenkraut steckt
Das therapeutische Potenzial des Lungenkrauts liegt in seiner ungewöhnlichen Kombination aus mehreren Wirkstoffklassen. Wer ein qualitätsgeprüftes Produkt sucht, findet unter https://www.shop-apotheke.com/arzneimittel/upmTGTTH7/lungenkraut-kapseln.htm standardisierte Lungenkraut Kapseln in Apothekenqualität. Die wichtigsten Wirkstoffe im Überblick:
- Rosmarinsäure und weitere Phenolsäuren – Phytochemische Analysen aus den Jahren 2018 bis 2024 zeigen, dass Rosmarinsäure in Lungenkraut-Extrakten eine der dominierenden Verbindungen ist. Sie wirkt antioxidativ, neutralisiert freie Radikale und hemmt entzündliche Signalwege – darunter die Cyclooxygenase-2 (COX-2), die bei Entzündungen der Atemwege eine zentrale Rolle spielt.
- Allantoin – In der Phytotherapie vor allem für seine geweberegenerierende Wirkung bekannt. Allantoin fördert die Zellteilung und Erneuerung der Schleimhautzellen in den Atemwegen, was es besonders relevant bei Reizzuständen macht, die durch häufige Infekte, trockene Luft oder Umweltverschmutzung entstehen.
- Schleimstoffe (Polysaccharide) – Diese verbinden sich in Wasser zu einem schützenden Gel, das sich über die gereizte Schleimhaut legt und Hustenreize mechanisch dämpft. Ähnlich wie beim Eibisch bilden sie eine physische Schutzbarriere.
- Saponine – Wirken tensidähnlich, verringern die Oberflächenspannung des Schleims in den Atemwegen und erleichtern so seine Mobilisierung und Ausscheidung – der expektorierende Effekt, der Lungenkraut sowohl bei trockenem Reizhusten als auch bei produktivem Husten nützlich macht.
- Flavonoide (Quercetin, Kaempferol) – Ergänzen das antioxidative Profil und unterstützen die entzündungshemmende Wirkung der Phenolsäuren.
Diese Wirkstoffkombination erklärt, warum Lungenkraut in der volksmedizinischen Praxis über Jahrhunderte eine so breite Anwendung bei Atemwegsbeschwerden gefunden hat – und warum die moderne Forschung begonnen hat, genauer hinzusehen.
Was die aktuelle Forschung zeigt
Die wissenschaftliche Aufarbeitung von Lungenkraut steckt im Vergleich zu besser etablierten Atemwegspflanzen wie Efeu oder Thymian noch in einem früheren Stadium. Die verfügbaren Daten sind überwiegend präklinisch – also In-vitro- und In-silico-Studien – und noch nicht durch großangelegte randomisierte klinische Studien ergänzt. Das entspricht dem typischen Muster in der Phytopharmazie: Viele tradierte Heilpflanzen werden erst Jahrzehnte oder Jahrhunderte nach ihrer empirischen Nutzung wissenschaftlich untersucht.
Eine 2021 in PubMed Central veröffentlichte In-vitro-Studie untersuchte Extrakte aus Pulmonaria officinalis und der nah verwandten Pulmonaria obscura. Die Forscher fanden nicht nur antioxidative Schutzwirkung in menschlichem Blutplasma unter oxidativem Stress, sondern auch eine messbare COX-2-inhibitorische Aktivität – was die traditionelle Anwendung bei entzündlichen Atemwegsprozessen biochemisch untermauert.
Eine neuere Untersuchung auf PubMed Central analysierte die antioxidativen und genotoxischen Eigenschaften eines ethanolischen Extrakts aus Pulmonaria officinalis. Die chemische Charakterisierung bestätigte einen hohen Polyphenolgehalt. Die gemessene antioxidative Kapazität war in allen verwendeten Testmethoden signifikant – relevant, weil oxidativer Stress in den Atemwegen einer der Hauptmechanismen ist, über den Atemwegsgewebe durch Feinstaub, Infektionen oder chronische Entzündung geschädigt wird.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Lungenkraut ist kein Arzneimittel und kann akute Infekte nicht heilen. Wie pflanzliche Extrakte und natürliche Verbindungen bei der Unterstützung des Immunsystems wirken können, haben wir in unserem Beitrag zu natürlichen Antibiotika ausführlich beschrieben. Lungenkraut spielt seine Stärken vor allem bei chronischen Reizzuständen, trockener Schleimhaut und dem begleitenden Schutz der Atemwegsschleimhäute aus.
Lungenkraut im Vergleich mit anderen Atemwegskräutern

Die vier bekanntesten Atemwegspflanzen ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht. Ein kurzer Überblick zeigt, wo Lungenkraut seine spezifische Nische besetzt:
| Pflanze | Stärken | Beste Anwendung |
|---|---|---|
| Thymian | Antibakteriell (Thymol), bronchospasmolytisch | Infekte mit Schleimproduktion, Bronchospasmus |
| Eibisch | Hoher Schleimstoffgehalt, starker Schleimhautschutz | Starker Reizhusten, Halsschmerzen |
| Spitzwegerich | Antiphlogistisch, leicht antimikrobiell | Verschleimungen der oberen Atemwege |
| Lungenkraut | Breitestes Antioxidansprofil, COX-2-Hemmung, Allantoin | Gereizte/belastete Atemwege, Erholung nach Infekten |
Lungenkraut besetzt also eine eigene Nische: Es bringt das breiteste Antioxidansprofil der vier Pflanzen mit, kombiniert Schleimhautschutz mit COX-2-Hemmung und enthält mit Allantoin eine Substanz mit explizit geweberegenererativer Wirkung. Das macht es besonders interessant bei wiederholt belasteten Atemwegen – zum Beispiel nach häufigen Infekten in der Erkältungssaison, bei Rauchern oder bei Menschen in schadstoffbelasteten Umgebungen.
Ein wichtiger Hinweis zur Qualität: Pyrrolizidinalkaloide
Wer sich intensiver mit Lungenkraut beschäftigt, stößt auf einen Punkt, der für die Produktauswahl relevant ist: Pulmonaria officinalis enthält – wie viele andere Boraginaceen – geringe Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden (PA). Diese Substanzen können bei dauerhafter und hochdosierter Aufnahme lebertoxisch wirken.
Für moderne Nahrungsergänzungsmittel und Phytopräparate gelten heute strengere Qualitätsstandards. Seriöse Hersteller verwenden PA-arme oder PA-freie Extrakte, bei denen der Pyrrolizidinalkaloid-Gehalt auf ein sicheres Minimum reduziert wurde. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat entsprechende Empfehlungen für Tageshöchstmengen veröffentlicht. Wer Lungenkraut dauerhaft einnehmen möchte, sollte auf ein Produkt setzen, das transparent über seinen PA-Gehalt informiert und pharmazeutischen Qualitätsstandards entspricht.
Anwendung und Dosierung – was in der Praxis funktioniert
Lungenkraut wird heute vor allem in drei Formen verwendet:
- Tee aus getrockneten Blättern und Blüten – wirkt schnell und erlaubt die direkte Aufnahme der Schleimstoffe. Für akute Reizzustände gut geeignet, aber weniger präzise dosierbar.
- Kapseln oder Tabletten mit standardisiertem Trockenextrakt – präzise, gleichbleibende Dosierung, einfache Handhabung, optimal für standardisierten Wirkstoffgehalt.
- Flüssigextrakt in Tropfenform – gute Bioverfügbarkeit, flexibel in der Dosierung, aber geschmacksintensiver als Kapseln.
Die klassische Empfehlung in der Phytotherapie ist eine Anwendungsdauer von zwei bis vier Wochen bei akuten Atemwegsproblemen, gefolgt von einer Pause. Bei chronisch gereizten Atemwegen kann Lungenkraut als begleitende Unterstützung über längere Zeiträume eingesetzt werden – wobei dann ausschließlich PA-arme Produkte in Frage kommen. Die Einnahme sollte zu den Mahlzeiten erfolgen, um die Verträglichkeit zu verbessern.
Lungenkraut in der Erkältungssaison: Wann es sich besonders lohnt
Die Erkältungssaison stellt das Immunsystem und die Atemwegsschleimhäute vor besondere Herausforderungen. Trockene Heizungsluft reduziert die Schutzfunktion der Schleimhäute erheblich – die kleinen Flimmerhärchen (Zilien), die Krankheitserreger aus den Atemwegen befördern, arbeiten in trockener Luft deutlich schlechter. Gleichzeitig erhöhen Kältestress, Vitamin-D-Mangel und enger Kontakt zu anderen Menschen die Infektionslast.
Lungenkraut kann in dieser Situation auf zwei Wegen nützlich sein: Erstens schützen seine Schleimstoffe die ausgetrocknete Schleimhaut mechanisch. Zweitens wirkt sein antioxidatives und antiinflammatorisches Potenzial dem oxidativen Stress entgegen, der durch häufige kleine Infekte in der Schleimhaut akkumuliert. Besonders wertvoll ist Lungenkraut als ergänzende Maßnahme nach überstandenen Atemwegsinfekten, wenn die Schleimhäute noch gereizt sind und der Husten trotz abgeklungener Infektion noch wochenlang anhält. In dieser Phase braucht es keine antibiotische Wirkung mehr – sondern Schleimhautschutz und Regenerationsunterstützung. Genau das ist das Stärkenfeld von Pulmonaria officinalis.
Häufig gestellte Fragen
Vorsicht ist geboten bei Schwangerschaft und Stillzeit, bei vorbestehenden Lebererkrankungen, bei gleichzeitiger Einnahme lebertoxischer Medikamente sowie bei bekannter Allergie gegen Boraginaceen-Gewächse wie Beinwell oder Vergissmeinnicht. In diesen Fällen immer zuerst einen Arzt oder Apotheker konsultieren.
Fazit
Das Lungenkraut ist zu Unrecht in den Schatten populärerer Atemwegspflanzen gerückt. Sein phytochemisches Profil – mit Rosmarinsäure, Allantoin, Schleimstoffen und Saponinen – deckt ein breites Spektrum relevanter Wirkungsmechanismen ab, die durch aktuelle Forschung zunehmend biochemisch erklärt werden können.
Es ist kein Allroundmittel, aber ein wertvoller Baustein in der pflanzlichen Atemwegspflege, besonders bei gereizten Schleimhäuten, als Begleitung nach Infekten und bei chronischer Belastung der Atemwege. Wer auf Lungenkraut setzt, sollte auf PA-arme Qualitätsprodukte achten und Anwendungsdauer sowie Dosierung im Blick behalten.










